Am Tag der Arbeit hat Andreas Ostheimer zur 6. Orgelfahrt in die Region Pforzheim-Ost eingeladen. Ca. 20 Orgelenthusiasten begannen den Tag in der NAK in Mühlacker.

Beeindruckend beim Eintreten in das Kirchenschiff ist der lichtdurchflutete Raum mit seiner halbseitigen Verglasung und dem freistehenden Orgelkubus ( ca. 2,5 m² / 6m hoch) rechts vom Altar. Baumeister dieser einzigartigen Orgel ist die Firma Vleugels aus Hardheim. Diese Orgelmanufaktur beschreibt ihre Arbeit so: „Musik auf unseren Orgeln beflügeln die Seele – sie werden es fühlen“. Das Instrument verfügt über 10 klingende Stimmen, aus denen sich durch eine geschickte Disposition, z. B. durch sogenannte Halbzüge und Auszüge 13 spielbare Register ergeben. Insgesamt verfügt die Orgel über 668 Pfeifen. Am Spieltisch der Orgel in Mühlacker ist das Signum „S.D.G.“ zu lesen (Soli-Deo-Gloria). Komponisten wie Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel unterzeichneten die meisten Werke mit dieser Signatur - einzig Gott zur Ehre.
Übrigens: Nach der Papstwahl schenkte die Firma Vleugels Joseph Ratzinger eine kleine Orgel aus der eigenen Werkstatt („eine deutsche Orgel für einen deutschen Papst“).
Jetzt ging die Fahrt weiter ins benachbarte Kieselbronn. Die im Jahr 2004 erbaute Neuapostolische Kirche ist dem Baustil der Umgebung angepasst. Beim Betreten
der Kirche ist die Orgel zunächst unsichtbar. Vielleicht denkt man an ein Schwalbennest, wenn man sich umwendet und in steiler Höhe eine Empore nur für die Orgel entdeckt. Die zweimanualige mechanische Orgel der Firma Hehl aus Murr birgt eine Besonderheit: durch eine Koppel kann dem 8` noch ein 4` zugefügt werden. Mit ihren 8 Registerreihen können viele Klangkombinationen erzeugt und die Gemeinde auf unterschiedlichste Weise begleitet werden. Andreas Ostheimer stellte dies an vielen gespielten Kostproben unter Beweis.
Schon war es Mittag geworden – ein sättigendes Mittagessen wartete im Gasthaus Hirsch auf uns.
Gleich gegenüber steht die evangelische Stephanuskirche. Für die Orgel wurde extra eine modern gestaltete Empore errichtet. Die Orgelbaufirma Jäger & Brommer baute eine Orgel ein, die sich an den Klangvorstellungen des klassisch französischen Orgelbaus orientiert, im Prospekt aber neuzeitlich-modern gestaltet ist. Die Signalwirkung der Rohrflöte und der Trompete ließen keinen Mittagsschlaf zu. In der nächsten Kirche hatte man den Eindruck, dass eben erst die letzten Handwerker das Gebäude verlassen haben – es roch noch nach frischer Farbe. Der Festakt zur Einweihung der neuen Kirche in Neulingen- Göbrichen lag erst wenige Wochen zurück (01.02.2009). Ein besonderes Schmuckstück dieses Gotteshauses ist die Pfeifenorgel der Orgelbaufirma Mühleisen aus Leonberg. Das vollmechanische
7-Register-Instrument mit 442 Pfeifen ist durch die Teilung einiger Register in Bass und Diskant sehr flexibel, Vorabzüge bieten weitere Möglichkeiten. Die Orgel ist vis-a-vis des Altars aufgestellt und passt sich in Form und Farbe in die Architektur des Kirchenschiffs ein. Die seitlichen Verzierungen nehmen die Rundungen des Gebäudes auf. Die Firma Mühleisen baute u.a. auch die Orgel der Stiftskirche in Stuttgart (2004) und eine Konzertorgel mit 92 Registern und 5 Manualen in den Konzertsaal des Hauses der Künste in Budapest (2006).
Zum Nachtisch kredenzte Andreas Ostheimer köstliche Häppchen aus dem Bereich des Jazz. Letzte Station unserer Orgeltour war die evangelische Pfarrkirche St. Stephan in Neulingen-Nussbaum. Den Besucher empfängt ein helles Kirchenschiff mit hufeisenförmig angelegter Holzempore, die der Kirche einen heimeligen Charakter verleiht. Buntfarbige Malereien beleben die Wände. Die Orgel, bei der erstmals pneumatische Windladen eingebaut wurden, stammt aus dem Jahr 1893/95. Sie wurde vermutlich durch Heinrich Voith & Söhne in Durlach erstellt. Das zweimanualige Instrument mit Pedal und 16 klingenden Stimmen hat ein massives Fichtenholzgehäuse mit zwei Engelköpfen geschmückt. Die Orgelbauwerkstatt Vier aus Oberweiler bei Offenburg hat die Orgel 1985 vor dem Zerfall bewahrt. Der romantische Klang der Orgel lässt den Hörer leise Beifall klatschen.
Andreas Ostheimer gebührt ein herzlicher Dank für die vielseitigen, interessanten Impressionen auf unserer Rundfahrt. Vielleicht geschah alles unter der Prämisse
Soli-Deo-Gloria.
Fortsetzung folgt am 03. Oktober 2009.