Einführungsvortrag von Dr. Armin Hoffmann zur Reihe „Wissenschaft und Glaube“ -

Dass diese Frage großes Interesse geweckt hatte, zeigte sich schon daran, dass der Große Saal des Forums bis auf den letzten Platz besetzt war.


Obwohl wir alle heutzutage mit der Technik ganz selbstverständlich umgehen, stellen sich tiefer gehende  Fragen nach den wissenschaftlichen Grundlagen unserer Welt eher selten. Erst durch Schule, Studium oder Beruf kommt mancher in Zweifel, ob über die Entstehung des Universums und des Lebens eher der Biologieunterricht oder die Bibel, Wissenschaftler oder Religionslehrer Zuverlässiges sagen können.
Besonders die Diskussionen um die Evolutionstheorie von Charles Darwin waren in der Vergangenheit oft sehr emotionsgeladen, sowohl in allen Konfessionen wie auch unter vielen Wissenschaftlern.

A.H. brachte seine eigene Erfahrungen als neuapostolischer Christ und als Naturwissenschaftler seit seiner Schul- und Berufsausbildung ein. Er verwies auch auf die stürmische Fortentwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg insbesondere in der Astronomie durch die Raumfahrt und der Biologie durch die Analytik der Erbsubstanzen. 

Eine Abgrenzung zwischen Glaube und Wissen ist ausgehend von Hebr.11,1 möglich: Christlicher Glaube ist demnach Vertrauen auf das, was man nicht sehen kann, während alles Sichtbare - also auch was mit technischen Hilfsmitteln beobachtbar und messbar ist – der Wissenschaft zugänglich ist. Die Naturgesetze der Klassischen Physik sind noch einigermaßen anschaulich zu verstehen. Die Relativitätstheorien und erst recht die Quantenphysik sind aber ziemlich unanschaulich, trotzdem sind sie bewährte Theorien.

Naturwissenschaftliche Theorien müssen grundsätzlich widerlegbar sein und werden ggf. durch bessere Modelle ersetzt oder erweitert.

A.H. gab einen Überblick über Veröffentlichungen der Neuapostolischen Kirche, angefangen von der 1956 erschienenen Broschüre „Die Wissenschaft und unser Glaube“ von Dr. Ernst Wölk über zwei 1984 in der Zeitschrift „Unsere Familie“ erschienenen kreationistischen Veröffentlichungen bis hin zur letzten offiziellen Stellungnahme zur Evolutionstheorie von 2004 und den Erläuterungen von 2005:
„Das Bekenntnis zu Gott als dem Schöpfer gehört zu den Grundlagen des christlichen Glaubens. Gott schafft ohne jede Voraussetzung, also aus dem Nichts, allein durch sein Wort (CREATIO EX NIHILO). Gott macht aus der von ihm geschaffenen Materie die Lebewesen und Dinge (CREATIO CONTINUA). Wissenschaft und Glaube betrachten die Rea­lität unter völlig unterschiedlichen Blickwin­keln. Sie haben verschiedene Gültigkeitsberei­che und können sich weder gegenseitig be­weisen noch widerlegen.“ (UF 07/2005)

Zahlreiche Artikel aus der Reihe „Lehre und Erkenntnis“ seit 1995 bis heute grenzen heute die Position der  NAK klar gegen den Biblizismus und Fundamentalismus ab. Deren Vertreter verstehen die biblischen Angaben insbesondere der Genesis (1. Mose 1-2,4 und 1. Mose 2,5-24) wortwörtlich, nämlich dass die Welt mit all ihren Lebewesen in ihrer heutigen Form vor weniger als 10.000 Jahren an sechs Tagen erschaffen worden sei, allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz. Die Vertreter von Intelligent Design erklären pseudowissenschaftlich die Evolution nicht durch Mutation und Selektion auf der Basis der Evolutionstheorie von Darwin, sondern sieht sie von einer höheren Intelligenz geplant und gelenkt.

Als Orientierungshilfen stellte der Referent einige Konfliktmodelle vor, wie Theologie und Naturwissenschaft einander zugeordnet werden können: In zwei gegensätzlichen Konfrontationsmodellen beanspruchen Atheismus oder Kreationismus jeweils die alleinige Wahrheit. Der Agnostizismus - das Trennungsmodell - sieht beide Disziplinen als unabhängig und ohne Berührungspunkte. Intelligent Design ist ein Modell, das die Grenze unzulässig überschreitet: Bestimmte wissenschaftliche Phänomene sollen sich auf das Eingreifen Gottes verstehen lassen. Ebenso problematisch ist die Grenzüberschreitung von der anderen Seite aus durch den Versuch eines naturwissenschaftlichen Gottesbeweises. Integrationsmodelle versuchen, Gott aus der Natur heraus zu erkennen; dies kommt den Ideen der Esoterik und des Science Fiction recht nahe.
Zwischen Naturwissenschaft und Theologie tragfähige Brücken zu bauen, gelingt nur unter Einbeziehung der Naturphilosophie. Hier gibt es in den letzten Jahren Erfolg versprechende Ansätze gerade auch von Astronomen und Quantenphysikern, weil sie häufiger mit den Grenzfragen „Warum?“ oder „Woher?“ zu tun haben als andere Wissenschaftler, dir nur nach dem „Wie?“ fragen. So lassen sich Glaube und Naturwissenschaft durchaus miteinander vereinbaren, wenn man die Grenzen der beiden Erkenntnisbereiche sorgfältig beachtet.

Zum Abschluss standen Dr. Hoffmann, sowie Dr. Bosch, Referent des nächsten Vortrags zum Thema „Kosmologie“ am 13.November, für Fragen und Diskussionen zur Verfügung, bevor die etwa 130 Interessierten „Ursuppe“ schlürfen  und sich dabei den Urknall auf der Zunge zergehen lassen konnten. Eine echte kulinarische Sensation, geschaffen von Renate und Rolf Maier. Das am Abend Gehörte konnte also im wahrsten Sinne des Wortes nochmals verinnerlicht werden.



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