Obwohl heutzutage in verschiedenen Medien versucht wird, die Geschichte unseres Universums bildhaft zu veranschaulichen, gehen die wissenschaftlichen Erklärungsmodelle weit über anschauliche Alltagserfahrungen hinaus.


Schon die Ergebnisse der Relativitätstheorien Einsteins sind nicht einfach nachvollziehbar, aber noch  einigermaßen zu veranschaulichen durch Computer-Simulationen. Immerhin muss man sich klar machen, dass es für verschiedene Beobachter prinzipiell keine Gleichzeitigkeit gibt, sondern jeder seine eigene Zeit hat. Bewegte Uhren gehen langsamer, ebenso unter dem Einfluß der Schwerkraft. Bewegte Maßstäbe sind verkürzt. Außerdem führt die Gravitation (Schwerkraft) dazu, dass auch Lichtstrahlen abgelenkt werden. All dies und die Schwerkraft selbst kann durch „Krümmung der Raumzeit“ genau beschrieben werden.

Der Physiker Dr.Bosch, der viele Jahre am Europäischen Elementarteilchen-Physik-Labor CERN gearbeitet hat und sich auch für viele andere Wissenschaftsbereiche interessiert, gab seinen Zuhörern auch einen Einblick in die heutigen Modelle der Kosmologie, dem Teil der Astrophysik, der sich mit Ursprung und Entwicklung des Universums beschäftigt.
Zwischen dem derzeit bekannten Kleinsten (Elementarteilchen wie Elektronen oder Quarks) und dem Größten (Universum) liegen mindestens 45 Zehnerpotenzen. Am Anfang des Universums und damit am Anfang der Zeit vor 13,7 Milliarden (+/- 200 Millionen) Jahren war das beobachtbare Universum auf einen winzigen Raum konzentriert, von dem aus es sich bis heute immer noch ausdehnt. Diese Entdeckung war der erste Hinweis auf den Urknall.

Mit den Teleskopen der Astronomen blicken wir nicht nur räumlich in die Weiten des Universums, sondern auch zeitlich weit zurück, bis wir in Form der „Hintergrundstrahlung“ das Nachglühen des Urknalls im Radiostrahlungsbereich sehen können. Es stammt aus der Zeit von 380.000 Jahre nach dem eigentlichen Beginn, nämlich als Strahlung und Materie nicht mehr ständig aneinander gestreut wurden, sondern sich „entkoppelten“. Was ab 10 hoch –43 Sekunden nach dem Beginn war, kann man aufgrund der Kenntnisse der Teilchenphysik einigermaßen gut rekonstruieren. Der eigentliche Ursprung ist bisher trotz aller Versuche nicht erklärbar.Die Theorie des Urknalls ist ohne Relativitätstheorie nicht denkbar und zurzeit das beste Modell der Physiker, das frühe Universum zu beschreiben; sie wird auch als das heutige gültige „Standardmodell“ bezeichnet. Viele bisherige Beobachtungen fügen sich in dieses Modell relativ zwanglos ein. Allerdings bleiben einige Rätsel, da bislang nur 4% der Masse des Universums gut bekannt ist. Etwa 22% bezeichnet man als „dunkle Materie“, 74% als „dunkle Energie“, über deren Eigenschaften man noch fast nichts weiß. Möglicherweise könnten die Experimente am LHC-Beschleuniger (Large Hadron Collider) in Genf demnächst gewisse Klärung bringen.

Erstaunlich ist es, dass zur Existenz von Leben, insbesondere zur Existenz von intelligenten Wesen wie den Menschen, sehr viele Voraussetzungen notwendig sind.
Nicht nur eine Reihe von physikalischen Konstanten dürften theoretisch höchstens nur ganz wenig anders sein als sie sind, sondern viele andere günstige Konstellationen und Ereignisse machen unseren Planeten Erde überhaupt bewohnbar. Die Frage, inwieweit diese Voraussetzungen zur Evolution des Lebens bis hin zum Menschen zufällig oder zielgerichtet (teleologisch) waren, wurde anhand verschiedener Formulierungen des so genannten „Anthropischen Prinzips“ diskutiert. Hier spielen auch philosophische und theologische Betrachtungen zum Sinn und Zweck des Lebens eine entscheidende Rolle. Solche Betrachtungen gehen aber über die Aussagemöglichkeiten der Naturwissenschaften weit hinaus. Naturwissenschaftler sollten nicht den Anspruch erheben, alles in der Welt erklären zu können oder zu wollen. Absolute Erkenntnis gibt es in den Naturwissenschaften nirgends: es sind alles Hypothesen, mit denen man gut arbeiten kann, Theorien von unterschiedlicher Sicherheit, z.T. ausgezeichnet bestätigt und von gewaltiger Erklärungs- und Vorhersage-Kraft, aber nicht streng beweisbar.  Als Modelle sind sie (noch) nicht widerlegt; vorerst hat man noch keine besseren.
Persönliches Resümee am Ende des umfangreichen Vortrags von Dr.Bosch: „Ich halte Naturwissenschaft und Religion absolut für miteinander verträglich, wenn man beide richtig interpretiert und gegenseitige Grenzüberschreitungen unterläßt, wie sie z.B. Kreationisten und Fundamentalisten tun, aber auch berühmte Naturwissenschaftler wie J.Monod, S.Weinberg, S.Hawking oder gar R.Dawkins.“

Der belgische Astronom und Priester Georges Lemaitre (siehe "www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25339/1.html"), neben A.Friedmann der "Vater des Urknall-Modells", ist ein modernes Beispiel für einen überragenden Wissenschaftler, der neben Einsteins Relativitätstheorie auch von seiner Theologie inspiriert großartige neue und sehr erfolgreiche naturwissenschaftliche Theorie-Denkansätze gefunden hat. Zudem war er es wohl, der die Ausdehnung des Universums 1927 entdeckt hat (vor dem berühmten E.Hubble), anhand von Untersuchungen des Lichtes von Galaxien, die andere gemacht hatten.

Wir dürfen gespannt sein auf Dr.Boschs Vortrag am Dienstag, dem 2.Februar 2010 über die „Evolution des Lebens“.
Einige Fotos zur Vernissage vom 2.Oktober 2009 hatten schon einiges zur „Kosmologie“ als Anregung vorweggenommen. Ausführliche Informationen und Literaturangaben sind unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erhältlich.