Dass die Musik von Mozart oder Brahms ein musikalischer Schatz ist, ist Allgemeingut. Populär ist jedoch das Vorurteil, dass die Musik des jüngsten und letzten Jahrhunderts nicht sehr hoch angesehen wird. Der Abend mit dem Duo Anna Markova (Violine) und Oksana Svekla (Klavier) führte das Gegenteil vor.


Zu Beginn des ersten Konzertabschnitts stand Mozarts Sonate für Violine und Klavier B-Dur KV 454, die im Jahr 1784 entstanden ist. 1784 war für den Komponisten ein äußerst arbeitsreiches, daher ist die Anekdote wohl glaubhaft, bei der Uraufführung hätte Mozart den Klavierpart nur aus einer Skizze, einem fast leeren Blatt improvisierend und virtuos ausgefüllt. Mit würdevoller Eleganz und klassischer Ausgewogenheit steht die Sonate für das 18. Jahrhundert und seinen Abgesang im Rokoko.

Das zweite Werk des Abends brachte eine Rarität und einen wirklichen Schatz aus dem 20. Jahrhundert, die Sonate op. 38 des litauischen Komponisten Stasys Vainiunas (1909-1982), der es wohl verdient öfters gehört zu werden. Vor allem im langsamen Satz konnte man ein wenig die Melodik des osteuropäischen Herkunftslandes erahnen, der rasche Schlusssatz verlangte ein kräftiges Zupacken in seiner rhythmisch prononcierten Thematik.

Das Spiel des Duos war durchweg meisterhaft und gut aufeinander abgestimmt. Die lyrischen Stellen erklangen weich und gefühlvoll, den kraftvollen Passagen war durchaus wohltuend auch die russische Schule anzuhören, der die beiden Musikerinnen entstammen. Allein im Presto-Schluss des Litauers Vainiunas hätte man sich noch ein wenig mehr Prägnanz wünschen können, wodurch die durchaus gegebene Verwandtschaft mit der Musik des Ungarn Bartók noch deutlicher hervorgetreten wäre.

Nach der Pause war ein Schatz des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu hören und das Duo schwelgte in der Musik von Johannes Brahms. Die letzte seiner Violinsonate erschien 1889 und ist ausladender und größer konzipiert als seine anderen Violinsonaten, immerhin umfaßt sie vier statt der üblichen drei Sätze. Dabei ist sie im kleinen wesentlich dichter, kontrapunktischer komponiert. Der dichte Tonsatz wird darauf zurückgeführt, daß Brahms sich zu dieser Zeit mit der Musik Bachs, der Musik der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts beschäftigte. Genau diese Beschäftigung mit der Geschichte, der Vergangenheit wird ab dem Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Wesenszug der Kunst und der Kultur.

Und hier schließt auch das „Duo concertante“ von Strawinsky an. Der russische Komponist greift hier ebenfalls auf ältere Musik, auf ältere Formen und Vorbilder zurück. Der erste Satz, Cantilene, bringt zu Beginn alles andere als eine gesangliche Melodielinie, wenn über den Tonrepetitionen eine schroffe Violinstimme aufsteigt. Die musikalische Form dagegen ist die Liedform. Wenn die beiden folgenden Sätze mit „Eglogue“ überschrieben sind, dann ist damit die Assoziation mit der Dichtung erlaubt, die im Spiegel des einfachen Hirtenlebens durchaus tagesaktuelle Themen aufgreift. Die erste Eglogue bringt dazu noch Erinnerungen an Strawinskys Erfolg „L’Histoire du Soldat“. Die heitere Gigue greift den Tanzsatzcharakter der barocken Suite auf, der abschließende Dithyrambe, eigentlich ein nach altgriechischem Vorbild ekstatisches Loblied, übernimmt barocke Verzierungsformen.

Mit dem letzten Stück klang der Abend harmonisch in Dur aus und es wurden damit mehr als nur die reichen Musikschätze der letzten drei Jahrhunderte zusammengefasst.