Zu Beginn seines Vortrags warf Dr.Ulrich Beuttler drei Fragen auf, die für gläubige Christen in der
heutigen von Naturwissenschaft und Technik geprägten Welt wichtig sind:
Wirkt Gott in der Welt?
Kann Gott in der Welt wirken?
Lässt die beobachtbare Natur überhaupt genügend Freiraum für das Wirken Gottes?
Durch einen kurzen Rückblick auf die Weltbilder der Vergangenheit zeigt sich, dass damit auch immer bestimmte Gottesbilder verknüpft waren:
Im Mittelalter nahm man an, dass Gott als Erstverursacher selbst in die Natur eingreife, um Wunder zu tun. Er könne Naturgesetze zeitweise außer Kraft setzten.

Gott wurde so als übernatürlicher Uhrmacher betrachtet. Die Unvollkommenheit der Welt wurde geradezu als Zeichen der Vollkommenheit Gottesverstanden.

Mit Beginn der Neuzeit und den zahlreichen Entdeckungen im 17. und 18 Jahrhundert setzte sich mehr und mehr die Ansicht durch, dass der Weltenlauf vollkommen und perfekt sei, wie man das bei der Bewegung der Planeten um die Sonne beobachten kann. Die Naturgesetze galten demnach als ewig gültig und unveränderbar. Die Natur sei ein perfekter Mechanismus, bei dem Gott allenfalls die Rolle eines „Ingenieurs im Ruhestand“ zukomme, der dieses Uhrwerk erfunden und in Gang gesetzt habe, aber nicht mehr einzugreifen brauche.

Im Zeitalter Aufklärung formulierte Laplace gegenüber Napoleon den berühmten Ausspruch: „Die Hypothese Gott brauche ich nicht mehr“.
Bis zum Ende des 19.Jahrhundert betrachtete man die Welt aus der Sicht eines materialistischen Determinismus, der alles Naturgeschehen als prinzipiell ergründbar hielt. Ein „Laplace’scher Dämon“ könne prinzipiell alles genau vorausberechnen.

Der französische Mathematiker Henri Poincaré hatte aber 1888 beweisen können, dass schon ein recht einfaches System von drei Körpern mit den Bewegungsgesetzten der Newton’schen Mechanik nicht vollständig zu berechnen ist. Es kann zu chaotischem, d.h. nicht eindeutig vorausberechenbarem Verhalten kommen.
Erst ab 1960 wurden solche Chaos-Systeme näher untersucht und mit Hilfe immer leistungsfähigerer Computer berechnet.
Typisch ist dabei, dass häufig so genannte Bifurkationen auftreten, wobei ein chaotisches System mindestens zwei verschiedene Zustände einnehmen kann.
Auch die Quantentheorie erschütterte die Vorstellungen der Klassischen Physik, als klar wurde, dass ein strenger Determinismus im Mikrokosmos der Atome, Atomkerne und Elementarteilchen nicht mehr gilt.
Vielmehr ist beispielsweise der Zeitpunkt des Zerfalls eines einzelnen radioaktiven Atomkerns nicht vorherzusehen. Man kann nur Zerfalls-Wahrscheinlichkeiten für eine Vielzahl gleicher Elementarteilchen angeben.

Die Welt ist also kein deterministisches System. Die Zeit ist grundsätzlich irreversibel (nicht umkehrbar).
Reversible Zustände sind eigentlich fiktive Konstrukte, die nur bei speziell präparierten Experimenten annähernd erreichbar sind, aber in der Realität keine Rolle spielen. Die Entwicklung der Welt ist offen; die Möglichkeiten sind vielfältig, aber auch nicht beliebig.

Inwieweit können diese Erkenntnisse der modernen Physik Vorstellungen vom Wirken Gottes in Raum und Zeit eröffnen?
Logisch Unmögliches ist selbstverständlich auszuschließen. Gott greift nicht willkürlich in die Welt ein, ist aber als Schöpfer ständig bei allem gegenwärtig. Die Natur ist offen auf ein Voraus, aus dem sie ihre Zukunft empfängt. Sie wird selbst zur "wirkenden Größe", wodurch Gott als Schöpfer offener Möglichkeiten gedacht werden.

Das Gottesbild des christlichen Glaubens und das Naturbild heutiger Wissenschaft vermögen auf diese Weise zu korrespondieren, so dass man mit guten Gründen an den in der Welt wirkenden Gott glauben kann.

Für jeden Interessierten stehen weitere Unterlagen zu diesem Vortrag zur Verfügung; sie können über die
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