Am 12.11.2012 stellte Bischof Koch im FF das neue Chorliederbuch vor.
Es ist jetzt zwar fertig, aber noch nicht lieferbar.
Noch vor Beginn des Vortrags fiel auf, dass der Saal fast überbelegt war.
Dies ist erfreulich und zeigt doch, welch großes Interesse an dem Liedgut
vorhanden ist, das in unseren Gottesdiensten gesungen werden soll.

 

 

Insgesamt enthält unser neues Chorbuch 461 Chorsätze, 242 sind neu aufgenommen worden, 68 davon sind dreistimmig (Sopran/Alt/Männer). Zu beobachten ist, dass in den letzten Jahren die Männerstimmen in den Chören immer weniger wurden, vor allem ist der Schwund bei den Tenören erheblich. Bei den dreistimmigen Chorsätzen wird nur eine Männerstimme verwendet, die vorwiegend im mittleren melodischen Bereich, im Baritonbereich, liegt. Das Chorbuch ist jetzt in Rubriken eingeteilt, ähnlich wie das Gesangbuch. Für einige Rubriken gab es schon vorher genügend Lieder, für andere gibt auch jetzt noch wenig Auswahl. Zur Unterstützung der Dirigenten wird es eine Konkordanz geben, mit Querverweisen auf entsprechende Rubriken und das Gesangbuch. Im Mittelpunkt stehen kurze Chorwerke mit aussagekräftigen Texten. Der Schwierigkeitsgrad musste gesenkt und den gegenwärtigen Erfordernissen angepasst werden: Die Zahl der Chormitglieder sinkt, die Möglichkeiten zum Einüben werden immer schwieriger, durch zeitliche, berufliche und andere kirchliche Anforderungen bedingt, so dass die regelmäßige Teilnahme an den Übungsstunden nicht mehr gewährleistet ist. Somit ist verständlich, dass die großen Motetten des alten Chorbuchs im neuen nicht mehr zu finden sind. Es sei aber beabsichtigt, eine Auswahl in einer gesonderten Sammlung zu veröffentlichen. Man hat sich dennoch bemüht, ein allen Ansprüchen gerecht werdendes Chorbuch herauszubringen.

Bischof Koch gab einen kurzen historischen Überblick zu der Entwicklung des Chorgesangs seit der Reformation im Hinblick auf unsere Chorliteratur. Einmal ist der Choral als evangelisches Gemeindelied, sozusagen als „Stimme des Volks“, entstanden. Er findet sich vierstimmig in Bachs Kantaten und Oratorien wieder. Andererseits entstanden im 19. Jh. vom Pietismus geprägte sentimentale Empfindungslieder, deren Einfluss sich in unseren sogenannten „Heimatliedern“ noch heute zeigt.

Neben dem sakralen Singen entwickelte sich bereits im 18. Jh. das weltliche Chorsingen. Zunächst waren es Männerchöre (Liedertafeln), später kamen gemischte Laienchöre hinzu, heute die Norm. Es gab damals eine regelrechte Singbewegung (Silcher, Zelter). Eine andere Ebene bildeten im 19. Jh. Chorwerke von Mendelssohn und Schumann, denen eine qualitätsvolle Textauswahl eigen ist. Neben der ernsten Chormusik (Palmer, Abt, Nägeli) kam im 19. Jh. die Unterhaltungsmusik auf, die sich im 20. Jh. fortsetzte. Vermischungen waren unvermeidlich. Ab 1920 setzte eine Reformbewegung ein, die den schlichten volksliedhaften Chorsatz mit oben liegender Melodiestimme, einfacher Harmonik und gleicher Rhythmik in allen Stimmen, wiederbelebte (Cantionalsatz). Andererseits kam der funktional-harmonische Satz, der polyphone Ansätze zeigte, also die Gleichförmigkeit der Stimmen durchbrach, wieder auf (Durchbrochener Satz). Beispiele sind in den Motetten von F. Deis und H. Ober zu finden.

Es muss noch erwähnt werden, dass Bischof Koch seine Ausführungen an Liedbeispielen aus dem neuen Buch verdeutlichte, die ein kleiner Chor vortrug. Auf diese Lieder hier einzugehen, macht wenig Sinn, weil sie ja bis jetzt nur wenigen bekannt sind. Auch das Plenum durfte einige Liedbeispiele mitsingen. Es zeigte sich, dass es wirklich einfache Lieder im neuen Chorbuch gibt und sich doch verschiedenartige Liedtypen finden.

Zum Abschluss führte der Bischof noch aus, dass die Auswahl der Lieder nicht immer leicht gefallen sei. Die Entscheidung lag nicht nur bei der zuständigen Projektgruppe, sondern musste u.U. durch mehrere Instanzen laufen, gelegentlich über die Bezirksapostelversammlung zum Stammapostel. Man dürfe nicht vergessen, dass Qualität und Wirkung eines Werkes nicht immer in die gleiche Richtung tendieren. In manchen Fällen ist es eben entscheidend, wem von beiden man den Vorzug gibt. Außerdem sind regionale Gegebenheiten nicht zu unterschätzen und müssen berücksichtigt werden. Letztlich sei, so meinte der Bischof, wohl ein ausgewogenes Chorbuch entstanden, das für jeden Chor geeignetes Liedgut enthalte.

K.M.F.