Nachdem Bezirksapostel i.R. Karlheinz Schumacher im vergangenen Jahr über die Arbeit am Katechismus berichtet hatte, beleuchtete er nun daraus das Kapitel 4.8. mit dem Thema „Gesetz und Evangelium“.
Bezirksapostel i.R. Karlheinz Schumacher – früher als Jurist tätig gewesen - und Dr. Reinhard Kiefer – nach dem Studium der evangelischen Theologie theologischer Berater des Stammapostels – stellten ohne Manuskript im Dialog das Spannungsverhältnis zwischen Gesetz und Evangelium aus der Sicht unseres christlichen Glaubens dar.
Das Leben der Menschen ist ja durch viele Gesetzmäßigkeiten bestimmt, z.B. durch unabänderliche Naturgesetze, aber auch Gesetze, die sich Menschen geben, um Ordnung und Struktur in die sozialen Systeme zu bringen. Mit der Einhaltung von Vorschriften und Gesetzen hat jeder tagtäglich zu tun.
Nach der Darstellung im Zweiten Schöpfungsbericht der Bibel war es den Menschen verboten, vom Baum der Erkenntnis des Bösen und Guten zu essen. Unsicherheit über den göttlichen Willen („Sollte Gott gesagt haben, ...?“) verführt sie, dieses erste göttliche Gesetz nicht zu beachten. So wurde die unmittelbare Nähe zu Gott gestört. Der Sündenfall zeigt damit den Zwiespalt zwischen Gottes Willen und unserem eigenen.

    


Den Geboten Gottes gehorcht der Mensch im Vertrauen auf ihn. Zerstörtes Vertrauen verführt zur Sünde. Auch nach der Beschreibung im Alten Testament überlässt Gott aber die Menschen nicht ihrem Schicksal. Vielmehr lässt er sich selbst herab, ihnen zu helfen. Die Zehn Gebote werden ihnen zu ihrem Wohle geschenkt. Viele menschliche Gesetze und Regeln gründen darauf. Ohne Gesetze gäbe es Anarchie und Chaos.
Die Gesetze des Alten Testaments – die Thora, die Gesetzes-Bücher Mose - sind nach dem hebräischen Sprachgebrauch „Weisungen“ oder „Vorschläge“. Erst in der griechischen Übersetzung werden sie „Nomoi“ genannt, also „Gesetze“ im Sinne einer Rechtsnorm. Auch der griechische Philosophen Platon verwendet solche Begrifflichkeiten, die dann durch Paulus auch im Neuen Testament Eingang finden.
Gesetzmäßigkeiten begegnen uns auch in vielen „Sachzwängen“, in Werden und Vergehen, letztendlich im Sterben-Müssen. Ernst Jünger nennt das die „totale Amputation“. Scheitern im Leben ist oft eine schmerzliche Erfahrung. Dafür sind die Wüstenwanderung und die babylonische Gefangenschaft des Volkes Israel Beispiele. Paulus sagt: „Das Gute das ich will, tue ich nicht, ...“
Aufgrund des Vertrauensverlustes gegenüber Gott und ihrer Sündhaftigkeit können die Menschen die göttlichen Gesetze eigentlich nicht erfüllen. Gott, der weiß, dass der Mensch die Erkenntnis, dem Gesetz nicht gerecht werden zu können, letztlich nicht aushalten kann, will dem Menschen aber helfen. Er lässt sich in Jesus Christus zu uns herab. Er schenkt uns Gnade und befreit uns von unserer Schuld. Diese Freiheit ermöglicht immer wieder einen Neuanfang.
"Die Botschaft des Evangeliums ist die entlastende Kraft der Gnade Gottes"
Ausgangspunkt ist das Gesetz, denn allein die Erkenntnis des Gesetzes, der sich daraus ergebenden Sanktionen und der daraus folgenden „Todverfallenheit“ des Menschen wird die Größe der Gnade deutlich.
Notwendig sind Bußfertigkeit und Vergebungsbereitschaft, die deutlich im „Unser Vater“ zum Ausdruck kommen. Nächstenliebe und Versöhnung sind Werke unseres Glaubens. Gute Werke sind daher Indikatoren für mich selbst, ob ich die Gnade erkenne.
Die beiden Referenten empfahlen auch das Kapitel 4.8 „Gesetz und Evangelium“ in unserem Katechismus nachzulesen.
Nach diesem sehr lebendigen Dialog schloss sich noch eine (leider) kurze öffentliche Diskussion an. In kleinen Gruppen wurden die angesprochenen Themen noch länger eifrig weiter vertieft.