Die Orgelfahrt des Forum Fasanenhof hat schon Tradition.

Die zweimal im Jahr vom Orgelsachverständigen Andreas Ostheimer organisierte Veranstaltung
konnte schon zum 17. Mal stattfinden.
Schön ist, dass neben den Stammteilnehmern wieder neue Orgelinteressierte dabei waren.
Nach dem Betreten der Kirchen und dem ersten Augenschein gab OSV Ostheimer jeweils
einen kurzen Überblick über die Geschichte der Orgel (Orgelbauer/Versetzungen)
und die Besonderheiten (Disposition/Aufbau).
Anschließend stellte er ein paar Klangbeispiele vor, um einen ersten Eindruck über
die Charakteristik der Instrumente zu erhalten.

Nach dieser Vorstellung konnten sich die Teilnehmer selbst an die Orgeln setzen
und die Tasten drücken, was gerne von vielen genutzt wurde.
Dabei wurden die unterschiedlichsten Klänge aus den Orgeln gelockt
und die gespielte Literatur bewegte sich quer Beet vom Orgelbuch über unbekannte
zu bekannten Komponisten.
Die (gerade) nicht spielenden Teilnehmer hörten der Musik zu oder nutzten den Blick ins Orgelinnere.

  
Die Kirchen selbst waren auch von Interesse, denn wann hat man sonst die Chance
hinter die Kulissen und in die Nebenräume zu sehen.
Die Teilnehmer führten während des Tages angeregte Gespräche,
die sich nicht immer auf die Orgel bezogen.

 Der erste Veranstaltungsort an diesem 3. Oktober war die Neuapostolische Kirche in Kirchheim/Teck. Die Anfahrt war noch teilweise neblig, jedoch kam bald die Sonne durch und es wurde ein schöner Tag im goldenen Oktober. Das in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts gebaute Kirchengebäude, das in den Achtzigern renoviert wurde, steht etwas erhaben auf dem Galgenberg in einer heute besseren Wohngegend. Die ursprüngliche 1951 erbaute Orgel stand hinten auf der Empore. Bei der großen Kirchenrenovierung 1984 wurde die Orgel hinter den Altar versetzt, um mehr Platz für Sitzplätze der Gottesdienstbesucher auf der Empore zu erhalten. Die Orgel bekam ein neues Orgelprospekt aus Holz- und Metallpfeifen und rechts hinten einen Schwellkasten für das 2. Manual. Die Anordnung der übrigen Pfeifen sieht bei dem Blick hinters Prospekt etwas planlos aus und entspricht den Vorstellungen des Orgelbaus dieser Zeit. Bei den Windladen der Orgel handelt es sich um elektropneumatische Kegelladen, die vermutlich aus der ersten Orgel stammen. Ebenso wird davon ausgegangen, dass fast das gesamte romantisch klingende Pfeifenwerk, bis auf das Orgelprospekt, aus der ersten Orgel stammt. Der frei im Kirchenraum stehende Spieltisch verfügt über 2 Manualklaviaturen und den für die Traktur üblichen Registerschaltern (22 Register) direkt über den Manualen. Als Spielhilfen stehen u.a. 2 freie Kombinationen und eine Crescendowalze zur Verfügung. Die Orgel wurde gerne von den Teilnehmern gespielt und die Möglichkeiten vor allem für die romantische Musik ausprobiert.
   
Die Kirchheimer Orgel war so fesselnd, dass nur das bestellte Mittagessen als Argument zog, die Orgel zu verlassen. Wir kamen dennoch viel zu spät am reservierten Mittagstisch im Klosterhospitz des Klosters Neresheim an. Wir waren nicht die einzigen, die das schöne Herbstwetter für eine Fahrt ins Blaue nutzten. Ein großer Stau auf der Autobahn und auch ansonsten keine leeren Straßen haben zur Verzögerung geführt. Nachdem jeder sein Hauptgericht, mancher auch mit Vor- und Nachtisch, verzehrt hatte, kehrte etwas Müdigkeit ein. Dies war aber kein Grund, die Mühe nicht auf sich zu nehmen und den Kirchberg mit der barocken Klosterkirche zu erklimmen. Nach einem kurzen Besichtigungsrundgang durch den Kirchenraum mit der beeindruckenden Holzhey-Orgel (konnten wir leider nicht hören) gingen wir gemeinsam zu unseren Autos zur Weiterfahrt.
        
Nach Überschreiten der Landesgrenze führte uns der Weg in die ehemalige Reichsstadt Nördlingen im Donau-Ries. Der Kirchturm "Daniel" hat schon von weitem den Weg gewiesen. In Nördlingen kamen wir dann an der neuapostolischen Kirche an, die 1998 sehr schön renoviert wurde. Die gesamte Atmosphäre des Kirchenraums und auch der Nebenräume war sehr beeindruckend, um nicht zu sagen, es handelt sich um ein Schmuckstück von Kirche. Die 1998 von Andreas Offner aus Kissing erbaute Orgel mit 18 Registern steht im Kirchenraum vorne hinter dem Altar. Es handelt sich um eine 2-manualige Schleifladenorgel mit mechanischer Traktur. Die Orgel orientiert sich am traditionellen Werkaufbau. Direkt über dem Spieltisch ist das 2. Manual (Brustwerk) als Schwellwerk angeordnet. Darüber das Hauptwerk als Oberwerk. Daneben rechts und links befindet sich das Pedalwerk. Als Besonderheit ist die doppelte Registermechanik für die Koppeln, inkl. einer Superkoppel, anzumerken. Die Koppeln sind per Handzug oder wahlweise per Pedal schaltbar. Die Orgel war sehr beliebt und hat zur Interpretation barocker oder moderner Musik bewegt, dazu auch Variationen einfacher Orgelchoräle. Die Intonation und Auswahl der Register bot dazu die Möglichkeit für ein farben- und lautstärkenvariables Spiel. Dazu kam auch noch die Literaturauswahl der Teilnehmer, so dass der Besuch zur Freude der Teilnehmer und auch der anwesenden Gemeindemitglieder wurde.
     
Da unser größter Widersacher, die Zeit, drängte, mussten wir uns wieder Richtung Stuttgart auf den Weg machen. Jedoch fuhren wir nicht direkt, es lag noch der letzte Programmpunkt auf dem Weg - die neuapostolische Kirche in Aalen. Diese Kirche wurde 1963 erbaut und 1999 renoviert mit dem Anbau von zusätzlichen Nebenräumen. Im Zuge der Renovierung bekam die Kirche eine Pfeifenorgel, wobei es sich um eine 1974 erbaute Orgel von Ekkehard Simon handelt. Die Orgel wurde damals als Hausorgel für das Wohnhaus eines Arztes erbaut. Dies konnten wir uns aufgrund der Größe und auch der Lautstärke nicht so einfach vorstellen - sie hätte genauso zuvor in einer Kirche gestanden haben können. Es ist eine Orgel "ihrer Zeit", somit dem Neobarock zuzuordnen. Die 12 Register (beachte: ehemalige "Hausorgel") verteilen sich auf 2 Manuale und Pedal. Diese mechanische Schleifladenorgel hat einen Werkaufbau mit Schwellwerk (mit nur gering wirkenden Schiebelamellen) über dem Notenpult und darüber liegendem Hauptwerk. Auf der linken Seite sind die Pfeifen des Pedals angeordnet. Aufgrund der Registeranzahl konnte abwechslungsreich registriert werden. Von den Teilnehmern kamen bevorzugt barocke Orgelstücke zu Gehör, da dies am besten zur Orgel passte. Jedoch konnte nicht abwechslungsreich leise gespielt werden, dazu fehlten die passenden Register. Die kräftigen Klangspitzen waren dafür durchdringend scharf - typisch für eine Orgel dieser Zeit. Obwohl es inzwischen spät wurde, haben wir uns auch von dieser Orgel und Kirche erst nach mehrfacher Aufforderung trennen können, was ein Zeichen dafür war, dass diese Orgel auch ihre Anziehung und ihren Reiz besitzt.
  


Zum Abschluss haben wir uns noch den Vorschlag für die nächste Orgelfahrt angehört, der zuvor in kleinerem Kreis erörtert wurde. Die Fahrt soll uns dann ins Hohenlohische führen, denn auch dort gibt es noch nicht gesehene und gehörte Orgeln. Bei dieser Gelegenheit hat unser Organisator noch das Dankeschön der Teilnehmer für die gelungene schöne Fahrt erhalten. Dann haben wir uns voneinander verabschiedet und sind in alle Richtungen nach Hause gefahren. (NS)