Vortrag über theologische Eckpunkte und biblische Grundlagen des neuapostolischen Glaubens, soweit es um die Wiederkunft Christi geht

Referent Dr. Reinhard Kiefer

Etwa 90 Zuhörer/innen hatten sich im großen Saal des Forums eingefunden. Damit war er nicht bis auf den letzten Platz besetzt. Schade, denn Glaube geht uns alle an und ein Vortrag über theologische Fragen kann informativ und trotzdem alles andere als langweilig sein. So geschehen an diesem Freitagabend im Forum.

Die einleitenden Worte sprach Bischof E. Koch vom Vereinsvorstand. Er freute sich, dass mit dem Vortrag das Forum in besonderer Weise einem Teil seines Gründungszwecks gerecht werde, nämlich ins Gespräch zu kommen über unseren Glauben. "Glaube ist niemals eine abgeschlossene Sache, sondern muss immer wieder erneuert werden", wurde Joseph Ratzinger sinngemäß zitiert und damit dem Referenten das Wort erteilt.

7272008-09-26 theolGrdl IMG_6714a.jpg_JH_200.jpgDr. Reinhard Kiefer, Leiter der theologischen Abteilung des Verlags Friedrich Bischoff, ging gleich in medias res: die Hoffnung auf die nahe Wiederkunft Christi als zentrales Element neuapostolischen Glaubens, wie es seinerzeit auch bei den Urchristen der Fall war. Dem Publikum wurde Gelegenheit gegeben, zu den einzelnen Themenkomplexen jeweils Fragen zu stellen. Davon machte man rege Gebrauch. Natürlich, bei allem wissenschaftlichem Hinterfragen geht es auch immer wieder um Fragen des Glaubens, auf die, s. o., abschließende Antworten nicht gegeben werden können.

Der Referent verstand es zunächst, den historischen Ablauf und die theologischen Hintergründe, auch für den Laien verständlich, darzulegen: Ein ausgeprägter Naherwartungsglaube im 1. Jh. nach Christus bei seinen Zeitgenossen und deren unmittelbaren Nachfahren, denen die Wiederkunft noch persönlich versprochen bzw. denen sie von Zeugen übermittelt worden war. Ein allmähliches Abflachen in den folgenden Zeiten, als das Versprechen nur noch überliefert wurde und schließlich gänzlich Geschichte war, bis zur Wiederbesinnung darauf im 19. Jh., u. a. in der Kath.-Apostolischen Kirche, unserer Ursprungskirche. Unmittelbar mit der durch Weissagung aus dem Heiligen Geist erfolgten Berufung von Aposteln und deren Amt war die Botschaft von der Wiederkunft Christi verbunden, so, wie es bis heute ein zentraler Glaubenspunkt in der Neuapostolischen Kirche ist.

7142008-09-26 theolGrdl kiefer-260908a_200.jpgAm Ende des Vortrags standen Anregungen zum Umgang mit dem Naherwartungsglauben. E. Koch warf an dieser Stelle ein: "Es ist eine Gratwanderung, einerseits im Leben zu stehen, andererseits sich bewusst zu machen, wir sind nicht von dieser Welt." Das Schlusswort des Referenten, dem es mit seinem lebendigen, mit viel Verve gehaltenen Vortrag über die historische Entwicklung und theologische Deutung des Glaubens an Christi Wiederkunft gelungen war, das Bewusstsein neuapostolischer Christen dafür zu schärfen.
"Dieses Wissen (der nahen Wiederkunft Christi) ist die große Chance für mein Leben, dem, was mir in der Welt begegnet, mit mehr Gelassenheit zu begegnen. Es ist eine Option der Freiheit in der Bedrängnis. Die Bitte um die nahe Wiederkunft ist daher Bestandteil meiner Gebete. Gott bricht in die Welt ein, ist eine Botschaft der Befreiung. Das war's!"

Das ist auch - fast - das Ende des Berichts. Vielleicht wurde Ihr Interesse geweckt, mehr über diesen zentralen Punkt neuapostolischen Glaubens aus theologisch/historischer Sicht zu erfahren? Sie finden das Manuskript des Vortrags zum Download hier.

Für den Kulturausschuss, der die Veranstaltung im Forum Fasanenhof organisiert hatte, bedankte sich dessen Vorsitzende, Monika Schweizer, am Schluss der Veranstaltung bei Dr. Kiefer mit einem Weinpräsent.