Der Fall Galilei - Vom Widerspruch zum Dialog

In ihrem sehr engagierten Vortrag zeigte die katholische Theologin Cornelia Hosp aus Reutlingen, dass der spektakuläre Prozess gegen Galileo Galilei, der 1633 seinen Höhepunkt fand, als Galilei gezwungen wurde, vor dem Heiligen Offizium zu Rom seiner Lehre vom heliozentrischen Weltbild abzuschwören (siehe Bild), kein Einzelfall war.

Ähnliche Konflikte waren auch schon früher aufgetreten: Kopernikus hatte 1543 aufgrund in seinem Werk „De Revolutionibus Orbium Coelestium“ (Von den Drehungen der Himmelskreise) ein heliozentrisches Weltbild entwickelt; dieses Werk durfte aber nur mit dem Hinweis erscheinen, es handle sich nur um ein theoretisches Rechenmodell.



Die Verurteilung Galileis stellte eine katastrophale Fehlentscheidung dar, die in der Folgezeit zu einer
zunehmenden Entfremdung zwischen Wissenschaft und Kirche führte.
Zu teilweisen erbitterten Auseinandersetzungen kam es nach der Veröffentlichung der Evolutionstheorie
durch Charles Darwin im Jahre 1859. Die Diskussionen darüber, inwieweit doch Gott oder ein intelligenter
Designer die Evolution des Lebens gelenkt habe, dauern noch heute an.
Die Einstellung mancher Kirchen war lange Zeit geprägt von der Einstellung „Die Bibel hat doch recht.“ Sie
habe sogar recht gegen alle Vernunft. Sowohl in der katholischen und der evangelischen Kirche als auch in
der NAK ist diese Position überwunden. (s. UF 05/2010 Seite 2-3). Erst 1992 - also nach 359 Jahren - wurde
Galileo Galilei durch Papst Johannes Paul II offiziell rehabilitiert. Auch zur Evolutionstheorie gibt es offizielle
Stellungnahmen der Kirchen: 1996 von Papst Johannes Paul II „Christliches Menschenbild und moderne
Evolutionstheorien“ und 2004 die „Verlautbarung zur Evolutionstheorie“ der NAK.

Lebendig und spannend konnte Frau Hosp den Zuhörern vermitteln, wie sich gerade durch die neueren
Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft Möglichkeiten zeigen, stimmige Konzepte in der Theologie zu
entwickeln und damit die Kluft zwischen Naturwissenschaft und Glaube zu überbrücken.
Die Diskussion über die angeschnittenen Fragen wurde nach dem Vortrag noch intensiv fortgesetzt.
Für jeden Interessierten steht eine Kurzfassung des Vortrags sowie weitere Unterlagen zu Verfügung; sie
können über die Kontaktadresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! angefordert werden.
Wir können gespannt sein auf weitere Vorträge in der Reihe „Wissenschaft und Glaube“.