Am Freitag, den 26. März, fand im Forum Fasanenhof eine ungewöhnliche Veranstaltung statt. Der Kulturausschuss hatte zu einem Abend unter dem Titel 'Jesu letztes Abendmahl' geladen. Dieses bedeutsame christliche Ereignis wurde den Teilnehmern auf verschiedenen Ebenen näher gebracht. Schon die Sitzordnung ließ deutlich werden, dass hier nicht an einen einseitigen Vortrag gedacht war.

Man saß um eine lange Tafel, die unmittelbar an Leonardo da Vincis
Darstellung im Gemälde erinnerte.  Der Tisch selbst war gedeckt mit ungesäuertem Brot. Dazu trank man Wasser und dunklen Rotwein. An der kurzen Seite der Tafel sah man auf einer Leinwand wechselnde zum Thema passende Bilder verschiedener Künstler. Gegenüber an der anderen kurzen Tafelseite saßen die drei Personen, die den Abend gestalteten.

Nach einer kurzen Begrüßung von Wolfram Böttiger las Andreas Schäfer Texte aus dem Johannes-Evangelium. Diese Stellen wurden kontrastiert mit Texten aus dem Alten Testament sowie mit weiteren religiösen Texten, die von Maren Böttiger zu Gehör gebracht wurden.  Der sprachliche Vortrag wechselte mit musikalischen Beiträgen: Die Einspielung von Franz Schuberts ‚Anbetend deine Huld und Güte' aus der Deutschen Messe, Wolfram Böttigers Klaviervortrag eines Chorals von Astor Piazzola und von Bachs berühmter Air in einer Klavierfassung des Pianisten sowie Maren Böttigers Gesang der Lieder ‚Euer Herz erschrecke nicht’ und ‚Anker in der Zeit’ von Hans-Joachim Eißler. Dann wurden auch die Teilnehmer eingebunden: Man sang gemeinsam ‚Beim letzten Abendmahle’ nach der Melodie von ‚Ach bleib mit deiner Gnade’ von Melchior Vulpius und das bekannte aus Israel stammende Lied ‚Shalom chaverim’. So wurde der Abend zu einem kleinen und doch vielfältigen christlich-jüdischen Kunstwerk. Altes wurde in neuem Zusammenhang neu belebt und erfuhr so eine neue Bedeutsamkeit, die manchem Teilnehmer neue Erfahrungen vermittelte. Und man brachte Verwunderung zum Ausdruck, dass so oft Gehörtes so ungewohnt zu erklingen vermag, dass vermeintlich gut bekannte Worte, jene alten Texte der Heiligen Schrift, plötzlich so neu und lebendig erfahren werden können.