Fast schon traditionell wurde der 3. Oktober von 25 Orgelfreunden
für die 11. Orgelfahrt reserviert.

Andreas  Ostheimer wählte Orgeln aus, die in Mensuration und Intonation der
Register dem barocken Stil entsprechen.


Die Zeit des Barocks wurde von drei großen Leitprinzipien geprägt:
„Carpe diem“ – Nutze den Tag, „Memento mori“ – Bedenke, dass du sterben musst, „Vanitas“ – Vergänglichkeit der Welt.



In der Lyrik kann man diese Aufforderungen leicht erkennen. Wie aber ist dies in der Klangfarbe eines Instruments erlebbar? 

Wenn man die Orgeln von Gottfried Silbermann oder aus dem süddeutschen Bereich von Joseph Gabler oder Johann Nepomuk Holzhey kennt, weiß man wohl um diese barocke Stimmung.


In der NAK Stuttgart – Ost steht die mit alten Pfeifen neu gebaute Orgel im Lichtstrahl des Chorfensters mit der Darstellung des Stammbaums Jesus. Das Vorbild für das Instrument waren spätbarocke Orgeln von Johann N. Holzhey. Die Orgelbaufirma Hartwig und Tilmann Späth baute kein Schwellwerk in die Orgel ein, dafür drei in der Lautstärke und Klangfarbe unterschiedliche Manuale, von denen aus 33 Register abgespielt werden können. Es gibt 1796 Pfeifen.

Die Orgel in der neugebauten Kirche in Filderstadt-Bonlanden wird seit Juni 2009 gespielt.
Die Freiburger Orgelbaufirma Späth hat sehr platzsparend gearbeitet und dennoch eine Orgel gebaut, die durch Wechselschleifen und Tripelzug viele Kombinationsmöglichkeiten der Register aufweist. Labiierung und Intonation der Mixtur v.a. sind angelehnt an Silbermann. Insgesamt ist ein Instrument entstanden, dessen Klangbild durch Farbigkeit und Pracht besticht.


Bis zur nächsten Kirche in Sonnenbühl-Undingen konnte man den herrlichen Herbsttag genießen.
Schon von weitem beeindruckte der Baustil dieser erst vor zwei Wochen geweihten Kirche.
Die Orgel steht in unaufdringlicher Prospektform auf der rückwärtigen Empore. Disposition und Mensuren sind konsequent im spätbarocken Stil gebaut. Kennzeichnend für den barocken Stil ist auch die Klaviatur mit verkürztem Vorderblatt und kürzerer Obertaste. Einzigartig ist die konstruktive Zusammenarbeit verschiedener Firmen. Bei der Intonation wurde bewusst manche Unebenheit belassen, die dem Instrument Leben geben.
Und jetzt schließt sich der Kreis: Im deutsch-französischen Wörterbuch ist die Übersetzung für baroque "eine Perle, die nicht ganz rund" sei.


Die nächste Orgelfahrt am 01. Mai 2012 führt  an den schönen Bodensee.