Dienen und Hingabe – die christliche Antwort auf die Egoismus-Falle

Normalerweise tritt der bekannte Pater Anselm Grün in großen Hallen auf – im Forum Fasanenhof waren deshalb die knapp 200 vorhandenen Plätze belegt, als Anselm Grün am 29. November zu einem Vortrag im „kleinen Kreis“ an das Rednerpult trat.

 

Wer sich für die verschiedenen Facetten des Christseins und psychologische Aspekte in den Gleichnissen von Jesus Christus interessiert, der ist bei Vorträgen von Pater Anselm Grün richtig. Mit seinen Büchern hat er Millionenauflage erreicht. Seine Weisheit, Klarheit und Intelligenz füllt die Veranstaltungsräume. Gleich zu Beginn des Vortrages stellte er sein größtes Anliegen in den Mittelpunkt: Er will „der Angst und Depression vieler Menschen einen hoffnungsvollen Weg anhand des Evangeliums von Jesus Christus entgegensetzen.“



Anselm Grün zeigte in seinem Vortrag den Spannungsbogen zwischen der Gefahr der Verausgabung in Nächstenliebe, des Burnouts und überhöhter Eigenliebe, also narzisstischem Handeln auf und zitierte Ursula Nubers Begriff der „Egoismus-Falle“. Anhand von Worten aus dem Lukas-Evangelium „der Führende sei der Diener aller“ referierte Grün über verschiedene gängige Führungsmodelle, die vom Kleinmachen der Untergebenen bis zum Sammeln von „Bewunderungszwergen“ reicht. „All diese Spiele verschlingen 30 bis 40 Prozent unserer Energie“, so der Referent. „Statt moralischer Appelle, mehr zu arbeiten, sollte erst einmal diese verschenkten Ressourcen der Mitarbeiter genutzt werden“. Dienen meint nach seinen Ausführungen: gute Kommunikation, das Leben im Mitarbeiter hervorlocken durch Beobachtung, das Entdecken der Potentiale und empathisches Hineinspüren. Gleichwohl stellte Grün fest, dass Ärger und Enttäuschung jeden, der anderen dient, treffen.

Dann sei es notwendig, die eigenen Gefühle, auch die Aggressionen anzuschauen. „Wer mit anderen mitschimpft über Personen oder Umstände, der trägt zur emotionalen Umweltverschmutzung bei. Die spirituelle Aufgabe lautet: Was geht von mir aus?“ brachte Anselm Grün die Problematik auf den Punkt. Christsein bedeute: den geistlichen Weg der Verwandlung mit Hilfe von Gottes Geist zuzulassen. Dies unterscheide sich sehr von einer alleinigen Veränderung.



Anschließend an den interessanten Vortrag Grüns hatten die Zuhörer die Möglichkeit, Fragen zu stellen, auf die der Referent detailliert einging.